vorher-nachher: Mid Century Stuhl in Petrol
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Im Rahmen meines ersten Buchprojekts „Aufgemöbelt! Vom Flohmarktfund zum Statement-Piece“ habe ich mich unter anderem einem klassischen dänischen Armlehnenstuhl aus der Mid-Century-Zeit gewidmet. Der Stuhl war formal wunderschön, aber deutlich in die Jahre gekommen: Das Teakholz stark ausgeblichen, die Armlehnen porös, dazu Wasserflecken und sichtbare Gebrauchsspuren. Genau solche Stücke liebe ich, denn sie erzählen Geschichte – brauchen aber fachliche Zuwendung, um wieder genutzt werden zu können.

Ziel der Aufarbeitung war es, den Stuhl optisch und funktional wieder in seine ursprüngliche Wertigkeit zurückzuführen. Das Gestell habe ich vollständig geschliffen und mich bewusst für einen dunklen, satten Teakton entschieden. Dieser Farbton nimmt den Blessuren ihre Härte, lässt das Holz ruhiger wirken und passt hervorragend zum ursprünglichen Design der 50er- bis 70er-Jahre. Anschließend wurde das Holz klar lackiert, um die Oberfläche dauerhaft zu schützen und den Stuhl wieder alltagstauglich zu machen.

Das vorhandene Kunstlederpolster war zwar noch gut erhalten, entsprach aber weder dem Stil noch der Epoche des Möbels. Deshalb habe ich die Sitzfläche komplett neu aufgebaut: neuer Schaumstoff, Polsterwatte und als Bezugsstoff eine petrolfarbene Wolle mit Hopsack-ähnlicher Struktur. Dieser Stofftyp war in der Mid-Century-Zeit weit verbreitet und ist unter anderem von klassischen Eames-Stühlen bekannt – robust, zeitlos und perfekt für dieses Möbel.


Heute ist der Armlehnenstuhl wieder ein echter Klassiker mit Haltung: warm im Holzton, zurückhaltend im Design und dennoch präsent durch den Stoff. Als Dankeschön für die gemeinsame Arbeit am Buchprojekt ist der Stuhl an die Lektorin des Frech Verlags gegangen – und damit genau dort gelandet, wo Wertschätzung für Gestaltung und Handwerk zuhause ist.

