vorher-nachher: Rolladenelement Upcycling

In den 1930er bis 1950er Jahren waren niedrige Schreibtische in Großraumbüros, Verwaltungen oder Polizeipräsidien weit verbreitet. Charakteristisch waren dabei die seitlichen Rolladenelemente: kleine Schrankmodule mit einer Holzrolllade, auf denen ursprünglich eine furnierte Schreibtischplatte lag. Diese Platten sind heute oft stark beschädigt, zudem zu niedrig für ergonomisches Arbeiten – als Schreibtisch also kaum noch sinnvoll nutzbar.

Ganz anders verhält es sich mit den Rolladenelementen selbst. Sie sind kompakt, extrem praktisch und gestalterisch spannend. Bei diesem Projekt habe ich genau so ein Element aus seinem ursprünglichen Kontext gelöst und daraus ein eigenständiges Möbelstück entwickelt: ein solitär stehendes Beistellschränkchen, das sich auch hervorragend als Nachtschrank eignet.

Die Auftraggeberin entschied sich bewusst für eine mutige Farbwahl. Der Schrankkorpus wurde gespachtelt und in einem kräftigen Pink lackiert – ein klarer Akzent, der dem Möbel sofort eine starke Präsenz verleiht. Die Rolllade stellte zunächst eine kleine Herausforderung dar: Sie war mittig gerissen. Nach dem Abschleifen habe ich die beiden Teile rückseitig mit einem Stück Jute und Textilkleber wieder stabil miteinander verbunden. Anschließend wurde die Rolllade in einem warmen Nussbaumton gebeizt und versiegelt.

Auch die Möbelfüße stammen aus meinem Materialfundus. Sie wurden passend zur Rolllade ebenfalls nussbaumfarben gebeizt und unter dem Schrank montiert, sodass das Möbel nun eine angenehm leichte, moderne Proportion erhält. Ergänzt wurde der Schrank um zwei Einlegeböden, die ebenfalls pink lackiert sind. Die Schlüsselblende wurde erneuert, der Schlüssel schwarz gesprüht.

In Kombination mit der vorhandenen grau-schwarzen Marmorplatte entsteht ein ungewöhnliches, aber sehr stimmiges Gesamtbild. Ein schönes Beispiel dafür, wie sich historische Möbelteile durch gezieltes Upcycling in eigenständige, zeitgemäße Unikate verwandeln lassen.

 

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